Lebendige Aromakunde

Unter 'Lebendiger Aromakunde' verstehen wir die salutogenetische Anwendung der ätherischen Öle vorwiegend im seelisch-geistigen Bereich.

Ähnlich wie in der klassischen Homöopathie oder bei den Bachblüten wird hier das ätherische Öl in seiner gesamten Wirkbreite betrachtet und nicht in erster Linie symptomorientiert angewendet.

 
Das zur Anwendung kommende Öl wird je nach momentanem Lebensthema individuell ausgewählt. Es findet eine ganzheitliche Betrachtung des Öls und des Patienten/ Klienten statt. Dabei kommt jenes ätherische Öl zur Anwendung, welches am besten das gerade bestehende Kernthema widerspiegelt.

Auf diese Weise kann eine umfassend ganzheitliche Unterstützung, Entwicklung, bzw. Heilung bei den verschiedensten Herausforderungen des Lebens erfolgen.

 

 

Die Bedeutung der Aromakunde

von Jürgen Trott-Tschepe

Iris - iris pallida. Das ätherische Öl wird aus der Wurzel gewonnen. Es erinnert an die unendliche Schönheit der Schöpfung.
Iris - iris pallida. Das ätherische Öl wird aus der Wurzel gewonnen. Es erinnert an die unendliche Schönheit der Schöpfung.

Basis der Aromakunde sind die ätherischen Öle. Die ätherischen Öle werden als "Essenz" (das Wesentliche) aus Pflanzen gewonnen und haben die Fähigkeit, uns auf verschiedenen Ebenen unseres Menschseins zu berühren und zu unterstützen.

Die Kunst der Aromakunde besteht hierbei darin, den Menschen mit seinen eigent-lichen Bedürfnissen wahrzunehmen und ihn mit einem unterstützenden ätherischen Öl zu begleiten.

 

 

Die meisten Menschen nutzen die vielen potenziellen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die ihnen innewohnen oder das Leben bietet, nur zu einem kleinen Teil. Ätherische Öle zeigen diese Potenziale auf, weisen auf Hindernisse, stärken dafür die Wahrnehmung und geben die notwendige Kraft zu Neuorientierung und Veränderung.

Eine solche Arbeit mit ätherischen Ölen kann Kraftquellen für den Menschen fördern und sie ihm bewusst machen. Diese Dimension ist unbedingt zu berücksichtigen, will man das gesamte Potenzial ätherischer Öle im Gesundheitswesen wirklich erkennen und dem Menschen zugute kommen lassen.

So wurde für eine ganzheitliche Gesundheitsarbeit mit ätherischen Ölen im deutsch-sprachigen Raum der Begriff der ‚Aromakunde’ geprägt.

 

Die „Geburt“ der ätherischen Öle

Statt ‚Aromakunde’ wäre der Begriff ‚Essenz-Begleitung’ vielleicht passender, ist aber unüblich. Doch den Kern der Behandlung mit ätherischen Ölen trifft man so eigentlich noch eher. Geht es doch um eine essentielle Begegnung.

Durch die Wasserdampfdestillation geschieht eine völlige Metamorphose der Wirkung der Pflanze. Sie muss ihren botanischen Körper komplett zurücklassen, um ihr Wesen, lateinisch ‚essentia’, ihre Essenz, zu geben. Man gewinnt also das Wesentliche der Pflanze, das höchst flüchtig und in seiner Zusammensetzung völlig anders als die einzelne Pflanze selbst ist. Manche sprechen von der ‚Seele’ der Pflanze, mit der ein Mensch dann in der Behandlung ‚sorgsam begleitet’ wird (ursprüngliche griechische Bedeutung von ‚therapieren’).

Einmal abgesehen davon, dass es innerhalb der Duft-Pflanze noch gar kein ‚ätherisches Öl’ gibt, sondern erst außerhalb von ihr, wenn sie durch Ernte und Destillation physisch leblos ist, können wir uns dennoch fragen, was die Duftessenz innerhalb der lebendigen Pflanze für sie als Ganzes noch aus geisteswissenschaftlicher Sicht bedeuten mag.

Wie gesagt: Der Leib der Duft-Pflanze muss sterben, damit während und nach ihrer Destillation ein Teil von ihr aufgefangen, abfiltriert werden und sich neu entwickeln kann. Und dieser Teil wirkt als Heilmittel anders als die Pflanze zuvor.
Anders sind vor allem die höhere Intensität und Breite der Wirkung: Die mögliche Resonanz von Körper, Geist und Seele eines Menschen auf ein ätherisches Öl ist weitaus umfassender als auf jene der Pflanze.

Daraus können wir den Rückschluss wagen, dass die noch in der Pflanze eingebundene Duftessenz Kräfte seelischer und geistiger Art, also machtvolle Botschaften, darstellt, die erst durch die Destillation frei werden.

 

 

Die Wirkkraft ätherischer Öle

 

Düfte – und die damit einhergehenden Empfindungen – sind von grundlegender Bedeutung und unvergesslich. Zudem sind sie nur schwer zu beschreiben. Die Duft-Empfindungs-Reaktion scheint tief im Innern des Menschen abzulaufen, und nicht immer sind wir uns ihrer bewusst.

Jeder Mensch kann mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer aromakundlichen Behandlung profitieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob er gut oder nur zeitweise oder überhaupt nicht fähig zum Riechen ist, einen Duft bewusst oder nur unterschwellig wahrnimmt oder wach ist oder schläft.

Dass ein Mensch in Folge der Öl-Begleitung wieder Lebensmut fasst, sich seiner Gaben zur Lebensmeisterung bewusst wird, im Schlaf zu wichtigen Problemlösungen gelangt, sich an ursprüngliche Lebensziele zu erinnern beginnt und vieles andere mehr, das lässt sich am ehesten bezeichnen mit dem Wirksamwerden von ‚Kraftfeldern’, in die die ätherischen Öle Startimpulse geben.

Die aromakundliche Forschung orientiert sich an der Wirkung auf die gesamte Persönlichkeit eines Menschen in ihrem komplexen Zusammenspiel physiologischer, emotionaler, psychischer, mentaler, biographischer, sozialer, religiöser, klimatischer und anderer Faktoren.

Ätherische Öle geben hierin notwendige Impulse an Wirkkräfte (Energien) in unserer gesamten Persönlichkeit und ihrem Organismus, die, so sie brachliegen, in Not gebraucht und mobilisiert werden können.
Dabei geschieht das, was diese Persönlichkeit wirklich zu einer ganzheitlichen Entwicklung braucht.

Es kann dabei auch völlig Unerwartetes, vorübergehend Mühsames, aber bei rechter Anwendungsweise der Öle etwas immer im Sinne des Patienten Hilfreiches bewirkt werden: Angefangen bei Fieber oder Durchfall über Ausschläge hin zu starken Stimmungsschwankungen bis zu albtraumartigem Verarbeiten eines Geschehens, vergleichbar den sogenannten ‚Erstverschlimmerungen’ in der Homöopathie.

Und dies geschieht, auch wenn weder Behandler noch Patient von der Breite der Notwendigkeiten auch nur ahnen, geschweige denn an irgendetwas Derartiges glauben. Doch dem ‚inneren Wissen’, nämlich dem Wissen der Seele und des Geistes dieses Menschen, gefällt, was geschieht. ('placebo' ist lateinisch und heißt 'ich werde Gefallen finden'). Solches bewusst zu machen, ist mit „Heilen“ gemeint, das wäre ‚holistic medicine’.

Diese Wirkungsspektren werden im medizinisch-klinischen Rahmen leider meist vernachlässigt, im besten Falle ignoriert, im Schlimmeren als ‚unwissenschaftlich’ abgetan.

Es gibt in der Heil- und Medikamentenkunde generell und der Aromakunde speziell zwei Aspekte, die ineinander verwoben sind und sich keineswegs ausschließen müssen, nämlich eine äußere und eine innere Sichtweise der Dinge. Fortschritt in der Heilkunde kann heute nur bedeuten, sich gerade auch den inneren Aspekten der Begegnung von Mensch und Heilmittel zu öffnen.

Neben dem auch im deutschsprachigen Raum vorherrschenden, an äußerlichen Symptomen orientierten Polypragmatismus (Motto: ‚Viel hilft viel gegen Vieles’) arbeiten Anwender ätherischer Öle mittlerweile auch sehr gut mit der Praxis, Einzelöle an inneren Bedürfnissen orientiert zu verabreichen.


Das könnte z.B. bei einer Angstproblematik im Einzelnen Folgendes heißen:

  • Rührt die Angst von einer völligen Überreizung her bzw. der Not, eine Flut selbst von subtilsten Reizen nicht mehr bewältigen zu können und besteht ein Bedürfnis nach feinsinnigem Schutz davor, so liegt das ätherische Öl der Römischen Kamille nahe.
  • Neroli-Öl kommt in Frage, wenn ein Mensch in Folge stark beängstigender Prüfungen, aber auch traumatischer Verluste sich als hilf- und haltlos erlebt und einen sanfte seelische Rückbindung sucht, die in der Not immer spürbar ist.
  • Ätherisches Öl der Bergamotte stärkt einen Menschen im Umgang mit seinen Befürchtungen zu versagen als auch bei seiner Niedergeschlagenheit, im Vergleich mit eigenen und fremden Ansprüchen nicht zu genügen.
  • Berg-Lavendel-Öl empfiehlt sich, wenn ein Mensch Frieden mit sich oder anderen finden möchte bzw. in der Angst vor andauerndem Unfrieden mit seiner Umgebung lebt.
  • Majoran-Öl als Einzelgabe kann angesagt sein, wenn ein Mensch befürchtet, in der Umsetzung seiner Ideale zu ‚erkalten’ und wieder Impulse eines durchwärmenden Lebenselans braucht.
  • Die Rosengeranie kann besonders Frauen eine gute Begleiterin sein, die jenseits der Wechseljahre befürchten, ihr Leben würde sinnentleert werden. Ihnen kann Mut zuwachsen, an ihre Lebenserfahrung anzuknüpfen und anderen davon abzugeben.


Die Arbeit mit ätherischen Ölen entwickelt sich, zumindest im deutschsprachigen Raum

  • aus der symptomorientierten Therapie
  • über die Wahrnehmung der Person und ihrer Bedürfnisse
  • zum Erkennen ihrer kreativen Aufgaben im Hinblick auf das Menschsein an sich

 


SALUTOGENESE

Letzteres entspricht der sogenannten ‚salutogenetischen’ Begleitung mit ätherischen Ölen:
Das salutogenetische Konzept wurde durch den Medizinsoziologen Aaron Antonovsky als Gegenstück zum Begriff der Pathogenese entwickelt. Darin werden zur Gesundheitsförderung die stabilisierenden, gesunden Anteile und Kraftquellen in den Vordergrund gestellt.


Ein ätherisches Öl betrachtet man hierbei weniger als digitales Medikament,
sondern eher als dialoganregenden Vermittler insbesondere aber als schöpferischen Impulsgeber.

Den Menschen erfährt man so weniger als Krankheitsfall denn vielmehr als Erscheinungsbild von Persönlichkeit und vor allem als kreativen Gestalter seines eigenen Lebensweges.

 

 

Quelle:

Jürgen Trott-Tschepe
Institut Lebendige Aromakunde
E-Mail: info@lebendige-aromakunde.de
Internet: http://www.lebendige-aromakunde.de/

Stand: 29.12.2008
© lebendige-aromakunde (v1.2)