Erfahrungsberichte HIMALAYA-RHODODENDORN

Rhododendron andropogon

"Der rote Lebensfaden"
Ein Teilnehmer erfährt in der Pantomime-Darstellung des Öls zum ersten Mal eine komplette ‚Übersicht’ der biografischen Zusammenhänge des roten Fadens, durch seine Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft hinein weisend: Er steht im Raum, nimmt sich wahr, wie er gerade ist, dreht sich dann, schaut zurück, kehrt sich wieder um und blickt geradeaus in die Ferne: Er sagt: "Er ist, wie er ist". Nichts mehr, nichts weniger.

Bericht von Jürgen Trott-Tschepe

aus dem Buch "Essenzen meines Lebens"

"Wallis-Wander-Mantra"
Es gab eine Wanderung, bzw. einen Aufstieg zum Lac Bleu. Wer sich die Mühen
erleichtern wollte, konnte ein Mantra sprechen: "Ich gehe - ich bin". Das half einigen Teilnehmern sehr gut. Es folgte nach sonnigem Aufenthalt am See ein langer, z.T. steiler und also nicht ungefährlicher Abstieg. Eine Teilnehmerin hatte den direkten Weg genommen und war gerade – gemsengleich - abgestiegen, wodurch wir sie alle aus den Augen verloren hatten und sie uns später fehlte. Jürgen machte daraufhin einen Gipfelsturm der ganz eigenen Art. Ohne Rücksicht auf eigene Verluste ging er das ‚verlorene Schäflein’ suchen. Dieses kam jedoch in der Zwischenzeit ganz unverhohlen den Berg hinunter und hörte zu ihrem großen Erstaunen, dass man sich Sorgen gemacht hatte.
Jürgen, völlig verausgabt und natürlich erfolglos, kam später hinzu und konnte sich einen leichten Anflug des Ärgers nicht verkneifen. Betrachtet man allerdings das Rhododendron-Thema ‚Keine Umwege mehr gehen’, ‚worauf wartet man noch’ usw., verwundert mich zumindest dieses Erlebnis nicht mehr!


Eine andere Teilnehmerin schrieb einige Wochen später:

Ich bin gestern mit Rhododendron in eine Heilungskrise gekommen. Der Aufstieg: das Öl sagt mir, ich solle langsam, aber stetig aufsteigen; der Weg brauche Mut, den eigenen Ängsten zu begegnen. Rhododendron sei mein Führer.
Gestern kam in mir das starke Bedürfnis nach einer gebündelten, nicht zerstückelten seelisch-geistigen Vater-Kraft hoch. Mir war in der Meditation immer wieder dieser polare Satz gekommen:
'Werde ich das schaffen oder nicht? Werde ich heil bleiben oder nicht?’ Diese Angst, so wurde mir jetzt erleichternd klar, entstand in Traumata aus Kindertagen, an die ich mich nun mit diesem Öl erinnere:
Mein leiblicher Vater wurde in Russland erschossen, als ich 11 war, mein selbst gewählter Ersatzvater wurde als Soldat 2 Jahre später ganz nah von mir von einer Fliegerbombe zerfetzt. In dieser Zeit musste ich mich jahrelang bei Tieffliegerangriffen im Kellerbunker auf den Boden werfen – doch eigentlich hatte ich keine Angst, eher einen seltsamen, nicht altersgemäßen ‚Mut’. Es war uns ja nichts anderes übrig geblieben!
Indem ich nun darum weiß, löst sich mein Angstmuster, und ich ehre meine Vaterkraft. Ich schaffe meinen Weg.

Bericht von Seminarteilnehmerinnen,

aus dem Buch "Essenzen meines Lebens"

von Jürgen Trott-Tschepe

"Versöhnlichkeit"
Mit dem Rhododendron als Anfangsöl, ist P. sofort (!) mit mir in Projektion gegangen. Ich saß (auch noch) neben ihr. Meine Präsenz (Dominanz für sie) war für sie schier unerträglich, wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Als dann die Auflösung kam (Rhododendron, vor allem das ‚ich bin ich’ und ‚gehe nun keine Umwege mehr’ etc.) konnte P. mir sogleich erzählen, wofür sie normalerweise mindestens einen weiteren Tag nötig gehabt hätte. Auch konnte sie es vor der Gruppe erzählen. Für P. konnte somit das Seminar, das ja gerade erst angefangen hatte, voll und ganz stattfinden. Ich war ebenfalls im Bann des Öls, da ich ihren Ausfall mir gegenüber auch als Angriff hätte erleben können und mich evtl. gekränkt hätte fühlen können. Jedoch ‚kein Haar auf meinem Kopf’ – wie der Holländer zu sagen pflegt, dachte daran…Ich hatte also das Vermögen, das Geschehene ganz unpersönlich und somit auch versöhnlich zu nehmen.

Bericht einer Seminarteilnehmerin,

aus dem Buch "Essenzen meines Lebens"

von Jürgen Trott-Tschepe

"Der Mensch"
Eine Rhododendron Darstellung in der Gruppe:

Wir waren zu fünft und haben uns in einem Fünfstern aufgestellt (das haben wir aber erst nachher bemerkt) – ich beschreibe die Stellungen der einzelnen im Sinne des Fünfsterns:
• der ‚Kopf’ stand, es war wie die ziehende Kraft, sie hat die Angebote gemacht, ihr Blick war in die Ferne gerichtet
• die zwei ‚Arme’: sie standen auf dem Boden und hatten die Pullover der Darsteller der ‚Füße’ über den Arm gelegt
• die beiden ‚Füße’: sie stehen, sie ließen sich die Pullover geben (als Sinnbild für das, was sie um die Körper brauchen – Wollwäsche); dann setzten sie sich gemütlich hin, mit Blick nach unten, ganz bei sich; sie ruhen
• für einen Moment sind alle still
• der ‚Kopf’ fängt an, die beiden ‚Füße’ mit dem Finger zu locken; die Augen sind weit aufgerissen und sehen die beiden im Wechsel schelmisch an – die beiden regen sich aber nicht
• der ‚Kopf’ steigt mit einem Weinglas mit Wasser gefüllt auf den Stuhl, blickt kurz auf die beiden und dann in die Ferne und beginnt dabei dem Glas eine hohen Ton zu entlocken.
• die beiden ‚Arme’, die ‚Dienerinnen’, gehen, während das Glas anfängt zu tönen, auf die beiden Sitzenden zu und saugen die beiden mit ihren Fingern nach oben, sie berühren die Sitzenden am Schultergürtel, vor allem am Armansatz (die offenen Hand legte sich an, saugte und zog, bis die Fingerspitzen sich berührten, und führte diese Bewegung dann nach oben fort, das wurde wiederholt
• bis dann die ‚Füße’ zuerst ihren Kopf erhoben, wie zu neuem Leben erwacht, und aufstanden, da haben die ‚Dienerinnen’ die Bewegung beendet, und auch der Ton erlosch
• zum Schluss haben sich ‚Arme’ und ‚Füße’ gemeinsam zum ‚Kopf’ gewandt und ihn angeschaut, der in die Ferne blickte und dann auch kurz in die Runde schaute.


Ergänzung: Das Erstaunen jenes den ‚Kopf’ darstellenden, etwa 70-jährigen Teilnehmers, war nachher sehr groß. Er habe solches in seinem Leben noch nie gemacht, und es wäre ihm so selbstverständlich leicht gefallen. Dafür sei er sehr dankbar.

Bericht einer Seminarteilnehmerin,

aus dem Buch "Essenzen meines Lebens"

von Jürgen Trott-Tschepe

"Sinn – Sein"

Dann wurde es Zeit, nicht nur an der Oberfläche authentisch zu sein, in äußeren Dingen wie der Praxis, seinen Weg zu gehen. Sondern sich wirklich mit dem Wesen bekannt zu machen. So wie mich Gott erdacht und geschaffen hat, mit meinem Höheren Selbst zu verschmelzen, mich mit ihm zu vereinen, eins zu werden.
Dabei half mir der Rhododendron.
Ich habe mein Höheres Selbst, meine Lebensaufgabe hier auf Erden erkannt und mich bewusst dafür entschieden. Dies war eine Zeit der absoluten Achterbahn. In Momenten der Verschmelzung war ich absolut sicher, das Richtige zu tun. Es gab keine Frage nach dem Warum, Wieso, Weshalb, Wozu, nach dem Sinn des Lebens, es war absolut klar, das ist mein Weg, das ist mein Leben, es kann nichts schief gehen, Gott steht zu mir, er hat dies so für mich vorgesehen. Alles was ich dazu benötige gibt er mir – sowie das Haus (ein Wunder, ein so wunderschönes altes Haus noch mieten zu können). Ich vertraue ihm unendlich. In diesen Momenten durchströmt mich eine ablsolute Gewissheit, so und nur so hat mein Leben zu sein. Es kann gar nicht anders verlaufen. Es breitet sich soviel Liebe in mir aus, dass soviel übrig bleibt, dass ich die ganze Welt umarmen könnte. Dies sind Momente der Glückseligkeit.
Dann gab es aber auch Momente der absoluten Talfahrt, ein einziges Angstgestrüpp, in dem ich mich immer mehr verheddert habe. Nur noch Fragen: Schaffe ich das, kann ich das, bin ich gut genug? Momente der tiefsten Einsamkeit, des Verlassenseins bis hin zur absoluten Sinnlosigkeit. Aber immer dann, wenn ich auf dem Boden, der so unendlich tief unten zu sein schien, aufschlug und alles in Gottes Hand gelegt habe, ging es wieder aufwärts."


Eine Poesie, die ich zu dieser Zeit schrieb:


Sinn – Sein?
Wieso
Weshalb
Warum
Sinn – Sein?
Zu klein
Zu schwach
für die gedachte Aufgabe
Allein
Sinn – Sein?
Können
Dürfen
Sollen
Sinn – Sein?
Was dann
Von vorne
Nochmal
ohne Ende
wieder und wieder
im Kreis
Sinn – Sein?
Nein.

Bericht einer Seminarteilnehmerin,

aus dem Buch "Essenzen meines Lebens"

von Jürgen Trott-Tschepe